Berliner Schnauze trifft bayerische Bauleute

Was für eine Woche! Nachdem der Erdbauer in der vergangenen Woche das Grundstück komplett vom Humus befreit hat, die Trag- und Ausgleichsschicht sowie das Feinplanum fertiggestellt und die Terasse und Hofeinfahrt vorbereitet hat, schlug diese Woche die Stunde unserer Hausbaufirma. Zuvor rückte Montags noch mal der Vermesser an uns führte die Feinabsteckung durch – auf das unser Haus auch an der richtigen Stelle zu liegen komme.

Als ich am 26.11. gegen 13:30 Uhr auf der Baustelle eintreffe – jetzt kann man sie auch so nennen – sind bereits zwei EBH Mitarbeiter vor Ort. Sie waren auch schon fleißig, denn sie haben die direkte Absteckung des Vermessers in ein Schnurgerüst überführt. Zuerst einmal werde ich nicht wirklich beachtet, später werden dann doch ein paar Worte mit mir gewechselt – sehr gesprächig sind die beiden aber nicht. Werden natürlich auch nicht fürs Erzählen bezahlt, sollen ja eine Bodenplatte machen. Der Wasserwart kommt pünktlich, die geplante Wasserversorgung der Baustelle über ein Standrohr gestaltet sich aber schwierig, alle Hydranten sind auf der anderen Straßenseite. „Eigentlich brauchen wir für die Bodenplatte im Winter kaum Wasser!“, sagen die EBH Leute. Na gut, vielleicht kann ja einer der anderen Bauherren aushelfen? Nach einem kurzen Gespräch mit dem Nachbar meines zukünftigen Nachbarn dürfen wir von dort Wasser holen – vielen Dank! „Eigentlich brauchen wir für die Bodenplatte gar kein Wasser, die Betonleute haben auch immer welches dabei!“ – aha. Immerhin kennt mich jetzt mein Nachbar-Nachbar,  auch gut. Der Wasserwart übergibt noch eine Mauerdurchführung, die später das flexible Wasserrohr durch die Bodenplatte bringen soll. „Mauer? Ham wa nich!“, sagen die EBH Leute, „wir bauen hier ne Bodenplatte!“. Der Wasserwart ist etwas irritiert, übergibt das Rohr und macht sich von dannen. Seinen Vorschlag, zum Schutz vor Frost den Bauwasseranschluss mit Vodka zu spülen hätte ich zwar gerne umgesetzt, aber der Hausanschlussraum ist einfach zu weit von der Medienübergabe an der Grundstücksgrenze entfernt. Jetzt einen Graben zu ziehen und ein Rohr zu verlegen wäre unsinnig gewesen. Auch die Kommunikation mit dem Baggerfahrer gestaltet sich zunächst schwierig. Alle Anwesenden sprechen formal zwar Deutsch, keine Alltäglichkeit auf einer Baustelle, aber richtig grün sind sie sich nicht.

Ich bin etwas enttäuscht – außer Arbeitserleichterung in Form von Kaffee und Tee kann ich hier nichts beitragen. Ich verziehe mich und presse zuhause der Kaffeepadmaschine acht Tassen ab. Als ich mit meinen Thermoskannen auf die Baustelle zurück komme, sieht die Welt ganz anders aus: EBH Leute und Baggerfahrer feixen, Rohre werden gesteckt, neuer Sand wurde angeliefert, der Bauherr wird freundlich begrüßt. Eine derartige Stimmungswandlung bei allen Beteiligten ist unwahrscheinlich, war zuvor etwa meine Wahrnehmung getrübt? Muss wohl so sein: Vorher war ich noch Eigenschaftsentwickler mit Büro-Job, jetzt bin ich Bauherr!

Am Dienstag kann ich unser zukünftiges Häuschen bereits recht gut erahnen. Die lastabtragende Perimeterdämmung wird gesetzt, die Verrohrung ist bereits verschwunden: Luftzufuhr für Ofen, Abwasserleitungen, Wasser, Strom und Leerrohr für die Elektrizität in der Garage sind verbuddelt und schauen nur noch stummelweise aus dem teuren Untergrund.

Die Dämmung schreitet gut voran, die erste Lage ist nachmittags gelegt, abends mit Dachpappe verschweißt, der Frostschirm ist angebracht und mit Sand gegen die fiesen Pietenfelder Windböen gesichert.

Mittwochs wird die zweite Lage Dämmung verlegt, ein weiterer Haufen Sand angeliefert und Petrus schickt Regen. Der Baustoffhandel kontert mit Baustahl – da wollen wir doch mal sehen, wer am längeren Hebel sitzt.

Nachmittags zerschlagen sich dann leider die Pläne, die Garagenfundamente zusammen mit der Bodenplatte zu erstellen. Der Baggerfahrer ist mit 50cm Löffel angerückt, die Streifenfundamente sollten 30cm breit werden. Bei einem Betonpreis von ca. 90 EUR / cbm (netto!) möchte ich nicht unbedingt ganz besonders stabile Fundamente für die Garage haben, sie sollen ausreichend sein, nicht mehr und nicht weniger.  Zu allem Überfluss beginnt es in der Nacht wie aus Eimern zu schütten. Ich habe die schlimmsten Vorstellungen für den nächsten Morgen: Meine schöne Dämmung ist vollgelaufen. Anbohren wird kaum gehen, also auspumpen? Dabei soll doch morgen der Beton kommen, oje oje.

Donnerstag, der 29.11.2012: Es soll der große Tag werden, betonierte Gemütlichkeit und Geborgenheit, unverrückbare Realität. Wir bauen ein Haus, es führt kein Weg mehr daran vorbei. Morgens bricht meine Tochter in Jubelgeschrei aus: „Es hat geschneit!“ OH F**CK! Das darf doch nicht wahr sein! Einen Tag noch hätte es halten müssen, verdammte Axt – nur einen blöden Tag. Ach, ein paar Stunden! Der Beton soll um zehn kommen. Soll es doch danach regnen, schneien, Stein und Bein frieren, mir egal – aber doch nicht jetzt! Es wird klar, wer am längeren Hebel sitzt.

Aber es gibt keine Gnade, die Bodenplatte wird gemacht: „Der Schnee ist nass, der schmilzt schnell weg und wird zu Wasser. Das kommt dann hoch, genauso wie wenn es nur geregnet hätte!“, sagen die EBH Leute. Der erste Betonfahrer ist entsetzt und empfiehlt mir, Fotos zur Beweissicherung zu machen: „22 Jahre bin ich am Bau, bei dem Schnee kann man nicht betonieren!“ Der Pumpenmaschinist, Virtuose auf seinem Gerät, sieht’s locker: „Die Eigenwärme des Betons schmilzt den Schnee, keine Sorge.“ Ich bin verunsichert. Beim wichtigsten Teil des Hauses gibt es Schwierigkeiten!?

Zuerst werden die statisch relevanten Außenseiten und die Unterlage einer Innenwand betoniert. Anschließend vom Technikraum beginnend der Rest der Bodenplatte. Der erste Betonfahrer verschwindet, der zweite lässt auf sich warten. Ich blicke frierend zu meinen Bauarbeitern: „Keine Sorge, der Beton ist geheizt!“, versichern sie mir. Ich kenne die Aufpreisliste. Ich hoffe, EBH ist in irgendeiner Einkaufsgemeinschaft für Transportbeton und hat einen guten Rabatt bekommen. Sowohl die Betonpreise als auch die Pumpenpreise sind teurer als im Vertrag angenommen, zu Lasten des Bauherren. Warten wir auf die Rechnung von EBH.

Fahrer zwei und drei erscheinen pünktlich, die Bodenplatte wird so langsam voll. Fahrer drei verschwindet – und es ist noch ein Fleckchen ohne Beton vorhanden. Haben die sich verschätzt? Haben sie nicht, der Maschinist steuert sein Werkzeug behutsam und richtig, das Eck wird mit dem restlichen Beton gefüllt, der sich noch in der Pumpe befindet. Zeitdruck hat er keinen, bei dem Schnee betoniert heute wohl keiner mehr… Während die EBH Leute den Beton glätten, macht sich der Maschinist an die Reinigung der Pumpe, mittels Schwamm. Er streckt die Pumpenarme und zieht vorsichtig den Schwamm zurück. Die Aktion erinnert eher an das Legen eines Herzkatheters als an das Reinigen einer 15 Jahre alten Betonpumpe. „Man muss sich beim zurückziehen Zeit lassen,“ meint er, „sonst hat man hinterher den Ärger und muss das Ding im schlimmsten Fall auseinander nehmen.“ Ich schaue und staune: Aus dem Bodenplattenbrei wird eine ansehnliche Oberfläche, der Schwamm verschwindet in der Pumpe und der Maschinist klopft mit einem Hammer aufmerksam auf einem der ersten Rohre herum. Was die Pumpe ihm wohl erzählt? Ich wette er weiß zu jeder Zeit ganz genau, an welcher Stelle der Pumpe der Schwamm gerade ist und was der Lümmel da gerade in der Pumpe kitzelt.

„Da ist ja ein Loch drin!“, stelle ich schockiert fest. „Na, det Wasser sucht sich seinen Weg“, kontert der EBH Mitarbeiter trocken. Aha. Die ersten Löcher werden noch ausgebessert, spätere nicht mehr. „Det is ne Winterplatte“, wird mir erklärt. Die sehen zwar nicht so schön aus, sind statisch aber genauso gut wie „schöne“ Frühlings-, Sommer- oder Herbstplatten. Ich hoffe doch – und besinne mich auf einen der Gründe zurück, warum wir uns für EBH Haus entschieden haben: Die machen alles selbst, Bodenplatte, Haus, Innenausbau. „Ist also primär mal mehr Arbeit für uns später“, erklärt EBH weiter. Ich entscheide, mir vorläufig keine Sorgen zu machen.

EBH rückt ab, ähnlich verfroren wie ich. Mein Baustellenmäntelchen hat mich zwar obenrum einigermaßen warm gehalten, meine Hosen sind aber nass und Gummistiefel sind kein adäquates Schuhwerk für 1°C und Schneefall. Ich spüre meinen rechten Fuß nicht mehr. Auf dem Weg ins Büro kann ich nur Vollgas geben oder eine Vollbremsung hinlegen. Nachmittags spreche ich noch mal mit dem Bauleiter von EBH, ich solle mir keine Sorgen machen und übrigens, derzeit ist die Planung für die Hausaufstellung der 16.01.2013. In anderen Baublogs geht nur immer alles langsamer, bei uns nicht.

Kurz vor 18:00 Uhr bin ich wieder auf der Baustelle: Unsere Bodenplatte soll es heute Nacht schön warm haben und wird zugedeckt. Gut, dass ich heute morgen an den Flak-Scheinwerfer gedacht habe und das mir ein Kollege hilft. Alleine wäre die Abdeckung ein sinnloser Versuch geblieben. Der Wind macht uns zu zweit schon zu schaffen. Wir breiten die sparsam dimensionierte Folie aus und messen: 10m x 12m. Hört sich bei einem Grundriss von 10,22m x 8,82m machbar an, die herausstehenden Rohre und die überstehende Perimeterdämmung machen die Befestigung aber zur anstrengenden Arbeit. Wir beschweren jeden der 44m Rand mit Sand. Nach über einer Stunde in der Kälte haben wir nasse Füße und rote Hände. Geplant hatte ich 30 Minuten für die Aktion. „Du wirst Dich noch oft ärgern, dass Du beim Bau länger brauchst als geplant“, sagt mein Helfer weise.

Was für eine Woche! Gearbeitet habe ich nämlich auch noch…

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2 Antworten zu “Berliner Schnauze trifft bayerische Bauleute

  1. Machen Sie sich keine Sorgen. Die EBHler wissen, was sie tun… Haben gerade mit EBH gebaut und ziehen in 10 Tagen ein… tolles haus geworden.

    Viel Glück,

    Wolfgang M.

    • Hallo Wolfgang M.,
      herzlichen Dank für die beruhigenden Worte.
      Wir wünschen Ihnen trotz Umzugsstress eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch.
      Viele Grüße
      Ivonne und Tobi von blogdashaus

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